Am gestrigen Abend fand ich endlich  Zeit mir die erst kürzlich erschienende Verfilmung des ersten Stieg Larsson Krimis “Verblendung” der Millenium Trilogie, die eigentlich ein Zehnteiler hätte werden sollen, auf Blu-ray anzusehen. Den postum veröffentlichen Büchern des Krimi-Genres der düsteren Art dürften auch die hartnäckigsten Lesestoffverweigerer unter Euch schon begegnet sein.  Da ich die Buchvorlage regelrecht verschlungen habe, ging ich mit einer gehoerigen Portion Vorfreude und grossen Erwartungen an den Film ran.

Der Regisseur Nils Arden Oplev hat die schier unmenschliche, nackte Gewalt und die aus ihr resultierende Kälte des Buches wunderbar umgesetzt. Die auf der Blu-ray Version sehr ausgeprägten Wechsel zwischen hellen, satten Farben, in denen meist wunderschöne Landschaftsaufnahmen Schwedens zur Geltung gebracht werden und den zahlreichen kalten und dunkeln bedrückenden Szenen helfen dem Zuschauer bei der Identifikation mit den Hauptfiguren dieser Kriminalgeschichte. Technisch wird hier ein ordentliches Farbsprektum im vermeintlich gewollt nicht immer fliessenden Wechsel zur Schau gestalt. Streckenweise wird die Szenerie akustisch sehr ansprechend orchestral begleitet.

Vieles bleibt im Rahmen der Geschichte unausgesprochen, eröffnet sich dem Betrachter jedoch über die gewählte Perspektive und den eingeschlagenen, genialen Erzaehlstill. Durch die sich anfänglich kurz überschneidenden Geschichtsfäden der Hauptprotagonisten Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander, die vom Regisseur bereits nach wenigen Minuten wieder getrennt und im Rahmen eines Spannungsbogens wieder Stück für Stück zusammengeführt werden, erhält der Betrachter ausreichend Möglichkeit sich ebenfalls investigativ zu betätigen. Spannung baut sich eingehend langsam, dann jedoch kontinuierlich steigernd auf und endet mit einem rasenden Höhepunkt, der einige Überraschungen und Kehrtwendungen bereithält.

Zur Story: Der Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist wird bei der Aufdeckung eines Waffenhandelskandals gelinkt und sieht nach seiner Verhandlung einer in 6 Monaten bevorstehenden Haftstrafe entgegen, der er sich nicht entziehen kann. Ein plötzliches Gesuch des Großunternehmers Vanger verspricht ihm die Wartezeit auf den Haftantritt mit einem spannenden und zudem lukrativen Fall zu verkürzen und reisst Blomkvist aus einer sich anbahnenden Depression. Der Journalist soll für Vanger Hintergründe der vor über 40 Jahren spurlos verschwundene Nichte Harriet ermitteln. Mit der Sichtung der von Vanger akribisch gehorteten Unterlagen findet Blomkvist schnell Zugang zum Fall und wird schon bald mit menschlichen Abgründen konfrontiert, die der Originaltitel der Buchvorlange wesentlich besser wiedergibt: “Männer, die Frauen hassen”.

Ich habe die sich langsam anbahnende, jedoch zunehmend rasante Achterbahnfahrt durch diesen Krimi sehr genossen. Der Film weckte die Frage in mir warum nicht jeder Tatort von dieser Qualität sein kann. Die schnell und dicht aufgebaute Atmosphäre und die erstklassig besetzten Rollen machen diesen Film zum Pflichtprogramm für alle Hobbykriminologen.

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